Die Kubaamazone

Die Kubaamazone
Amazona leucocephala (Linné, 1758)
von Jörg Asmus

1492 begegnete der Entdecker Christopher Columbus, als er zu diesem Zeitpunkt vermutlich als erster Europäer amerikanischen Boden betrat, Amazonen. Dies waren wahrscheinlich auch die ersten Lebewesen, die er und seine Mannschaft beim ersten Landgang in der Karibik sahen. Vermutlich handelte es sich dabei um Kubaamazonen, die Columbus auch zugleich von seiner ersten Reise mit nach Europa brachte.
Leider haben die Kuba-Amazonen in allen Bereichen ihres Verbreitungsgebiets im Zuge der Kolonisierung Westindiens durch europäische Siedler erheblichen Schaden erlitten. Berichte über den Fang und Abschuss der bunten Vögel erscheinen besonders in der frühen Chronik der Westindischen Inseln häufig. Ungezählte Amazonen wurden damals gegessen oder landeten in Käfigen. Und ungezählte Jungvögel wurden aus ihren Nisthöhlen geholt, gezähmt und dann an Seefahrer verkauft.
Bereits in Dr. BECHSTEINs Werk „Naturgeschichte der Stubenvögel“ aus dem Jahr 1812 wird der „weißköpfiger Amazonenpapagey“ neben einer Beschreibung unter „Merkwürdigkeiten“ mit folgender Schilderung erwähnt:
„Er kommt von Martinik, Jamaika und Mexiko. Auch dieser Vogel ist sehr zahm und geschwätzig, doch muß man mehr Mühe anwenden, ihm etwas beyzubringen, als bey den vorhergehenden, besonders wenn man ihn deutsche Wörter lehren will, wenn er schon holländische oder englische ausspricht. Die Töne der Thiere, der Katzen, Schafe und Hunde lernt er gleich nachschreyen. Uebrigens hat er einerley Behandlungsart mit den beyden vorhergehenden. Er wird mit 5 bis 7 Loisd’or bezahlt.“
1871 ist in dem Werk „Sprechende Papageien“ von Dr. RUß bereits einiges mehr über den „weißköpfigen Amazonenpapagei mit rothem Bauchfleck“ zu erfahren. „Dieser Weißkopf gehört zu den am längsten bekannten amerikanischen Papageien, denn er wird schon von Aldrovandi erwähnt. Von Edwards zuerst beschrieben, hat ihn Linné wissenschaftlich benannt. Die alten Schriftsteller loben ihn sehr, und Catesby heißt ihn sogar Paradispapagei; auch Bechstein zählt diese zu den gelehrigsten Arten und hebt hervor, daß sie sehr viel plaudere und überaus zahm werde.“
Nach dieser Textpassage folgt auch in jenem Buch die Beschreibung der Art und anschließend Hinweise auf einige Besonderheiten aus dem Freileben der Kubaamazone und in der Haltung dieser Art.
„Heimat: nur die Insel Kuba. Ueber das Freileben hat Dr. Gundlach berichtet, und ich bitte das in der Uebersicht der Amazonen S. 42 ff. gesagte nachzulesen. „Dieser Papagei verursacht besonders am Obst Schaden, doch auch an anderen Nutzgewächsen und wird deshalb, wie auch seines Fleisches wegen, welches jedoch hart sein soll, verfolgt. Durch das Herunterschlagen des Gehölzes wird er immer mehr in den Urwald zurückgedrängt. Die Nistzeit beginnt im April und dauert bis Juli; als Nest wird ein Astloch vornehmlich in einer verdorrten Palme genutzt, und das Gelege besteht in 3 bis 4 Eiern. Die Jungen werden vielfach geraubt und aufgefüttert, und man schätzt sie, weil sie leicht Worte und Sätze nachsprechen lernen, sehr zahm und zutraulich werden, angenehmes Wesen und schönes Gefieder haben.“ Unsere Liebhaber loben ihn ebenfalls als gelehrig, gutmüthig und leicht zähmbar. Er plappert sehr gern, sagt Herr Petermann in Rostock, und anhaltend, jedoch meistens unverständlich, und wenn er auch bedeutendes Unterscheidungsvermögen und ein vorzügliches Gedächtnis hat, so bleibt er doch an Begabung in jeder Hinsicht hinter dem Graupapagei und den hervorragenden Amazonen zurück. Dieser Ausspruch ist entschieden zutreffend. Der genannte liebevolle Vogelpfleger hat eine solche Kuba-Amazone, welche in 22 Jahren niemals krank gewesen ist. Der Preis steht nicht hoch, manchmal auf 15-20, abgerichtet auf 30-45 M.“ Soviel zu den Ausschweifungen in die Vergangenheit.
In der derzeit gültigen Systematik unterscheidet man 5 Unterarten der Kubaamazone. Wohl am häufigsten wird in Menschenobhut die Nominatform gepflegt. Vermehrt kam es in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu Importen nach Europa. Aufgrund der politischen Situation war die Kubaamazone bis zur politischen Wende vornehmlich bei Liebhabern in den Staaten des ehemaligen Ostblocks anzutreffen, ob diese Tiere immer legal in deren Hände gelangten ist mitunter fraglich. In der heutigen Zeit findet man die Kubaamazone regelmäßig in den Annoncenteilen der großen Fachzeitschriften und man kann diese Amazonenart mittlerweile durchaus als häufig vorkommend in Menschenobhut bezeichnen.
Wildfänge wurden immer als besonders stürmisch und scheu beschrieben, auch waren diese Vögel anfangs zunächst empfindlich gegenüber unseren klimatischen Bedingungen und mussten entsprechend temperiert untergebracht werden. Hier nachgezogene Exemplare sind natürlich nicht mehr so empfindlich und können auch bei einigen Minusgraden die Außenvoliere aufsuchen.
Wie alle Amazonenarten ist auch die Kubaamazone ein Holzzerstörer, der eine stabile Unterkunft bereitgestellt werden sollte. Des Weiteren ist bei einer Unterbringung in einer kombinierten Innen-/Außenvoliere auch an die Nachbarschaft zu denken, denn obwohl diese Amazonenart nicht unbedingt zu den ruffreudigen Papageien zählt kann sie doch gelegentlich laute Rufe von sich geben.
Aufgrund ihrer Seltenheit ist die Kubaamazone im Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WAA) gelistet. Dieser Umstand sollte den verantwortungsvollen Halter dieser Papageienart auch dazu bewegen sich mindestens ein Paar dieser kostbaren Vögel zuzulegen und mit ihnen Vermehrungsversuche zu unternehmen.

Beschreibung
Die Gesamtlänge der Kubaamazone beträgt 32 cm; zwischen Männchen und Weibchen besteht kein Geschlechtsdimorphismus.
Die Färbung der Nominatform ist auf den Bilder zu diesem Bericht recht gut zu erkennen. Die Unterart A. l. palmarum ist im Gegensatz dazu dunkler grün gefärbt und besitzt eine intensiver rot gefärbte Kehle. Des Weiteren ist bei ihr der Bauchfleck etwas größer in der Ausdehnung und zudem purpurrot gefärbt.
Die Subspezies A. l. caymanensis ist in der Grünfärbung des Grundgefieders wiederum etwas heller als die Nominatform und besitzt nur einen recht kleinen Bauchfleck. Die weiße Färbung des Oberkopfes besitzt mitunter einen rosafarbenen oder gelblichen Schimmer, des Weiteren besitzt die Gefiederpartie der Körperunterseite und des Bürzels einen türkisfarbenen Anflug.
Die Unterart A. l. hesterna erscheint insgesamt mehr gelbgrün gefärbt zu sein. Der Oberkopf besitzt weniger Weiß als die Nominatform und auch nur die Kehle und die untere Wangenregion sind intensiver rosarot gefärbt. Die Zügel erscheinen bei dieser Subspezies etwas rötlich; der Bauchfleck ist weinrot und hat einen violetten Anflug, außerdem ist der Bauchfleck ausgedehnter.
Die fünfte Unterart der Kubaamazone, A. l. bahamensis, unterscheidet sich von der Nominatform durch eine bis zum Hinterkopf reichende weiße Färbung des Oberkopfes. Auch die Zügel, die Augenregion und die obere Wangenregion sind weiß. Der Bauchfleck ist bei dieser Subspezies kaum erkennbar und kann von Individuum zu Individuum sogar gänzlich fehlen.



Kubaamazone Foto: Jörg Asmus



Verbreitung und Lebensweise
Das Vorkommen der Nominatform erstreckt sich über den mittleren und östlichen Teil der Insel Kuba. Westlich daran schließt sich das Verbreitungsgebiet der Unterart A. l. palmarum an. Im östlichen und mittleren Teil der Insel Grand Cayman ist die Unterart A. l. caymanensis anzutreffen. Die Subspezies A. l. hesterna findet ihr Verbreitungsgebiet lediglich auf der Insel Cayman Brac. Auf den Bahama-Inseln Great Inagua und Abaco ist die Unterart A. l. bahamensis beheimatet. Vor einigen Jahrzehnten gab es von dieser Subspezies auch noch Populationen auf den Bahamainseln Long Island, Crooked Island, Long Cay und auf Acklins.
Die Kubaamazone bevorzugt in seinem Verbreitungsgebiet waldreiche Gebiete und auch Mangrovenhabitate. Flache Landschaftsebenen und auch die unteren Regionen des Gebirges werden von diesen Amazonen bevölkert. Anscheinend werden von den Kubaamazonen mit Vorliebe Gebiete aufgesucht, die mit zahlreichen Palmen durchsäumt sind; hier finden diese Vögel auch ihre bevorzugten Brutstätten. Ansonsten lieben die Kubaamazonen Wälder mit hohen Bäumen und einem geschlossen Blätterdach.
In den beschriebenen Vegetationsgebieten ist diese Amazonenart zumeist paarweise oder in kleineren Gruppen anzutreffen. Bereits in den Morgenstunden verlassen die Amazonen ihre Schlafplätze und begeben sich auf Nahrungssuche. Als Futter dienen diesen Vögeln Samen, Früchte, Nüsse, Knospen, Blatttriebe und manchmal fallen sie auch in Obstanbaugebiete ein. Unter den Futterpflanzen befinden sich beispielsweise der Mangobaum (Mangifera indica), der Durantestrauch (Duranta repens), der Terpentinbaum (Bursera simaruba), die Karibikkiefer (Pinus caribaea), die Wildguave (Tetrazygia bicolor) und der Papayabaum (Carica papaya).
Über die Fortpflanzungsbiologie der Kubaamazone ist nicht sonderlich viel bekannt. Nach Angaben einiger Beobachter soll der Brutsaison dieser Art Ende Mai bis Anfang Juni hinein beginnen. Die Brutstätten werden in Baumhöhlen, zumeist in Palmenstämmen, eingerichtet. Hierzu werden aber auch ältere Specht- oder Termitenhöhlen genutzt. Die Gelegegröße soll aus 2 bis 4 Eiern bestehen und wird ausschließlich vom Weibchen über einen Zeitraum von 28 Tagen bebrütet. Die auf Abaco heimische Population der Unterart A. l. bahamensis soll unter vorspringenden Felsrändern in Bodenhöhlen brüten! Im Alter von 65 bis 70 Tagen verlassen die mittlerweile flüggen Jungvögel die gewohnte Nisthöhle. Bis zum Beginn der nächsten Brutsaison halten die Kleinfamilien schließlich zusammen. Dann macht sich der Nachwuchs selbständig.
Heute sind die Bestände der Kubaamazone leider im Abnehmen begriffen. Schwer gelitten hat die Kubaamazone in der frühen Siedlungsgeschichte infolge die Umwandlung der natürlichen Wälder in Kultur- und Siedlungsgebiete, wodurch sie ihre Nistplätze und Futterquellen verloren. Und nicht zuletzt fielen manche der Papageien den von den Europäern eingeschleppten Mungos und Katzen zum Opfer, denn auf solche Raubsäuger waren sie nicht gefasst.
In jüngerer Zeit sind es besonders die im Rahmen der Tourismusförderung durchgeführten Landerschliessungsmaßnahmen, welche den natürlichen Lebensraum der Kubaamazonen schmälern und so zum Rückgang der Population beitragen. Als Folge davon sind die Kubaamazonen vermehrt gezwungen, auf landwirtschaftliche Kulturflächen auszuweichen, um Nahrung zu finden. Dadurch geraten sie verstärkt in den Ruf von Ernteschädlingen und werden deshalb öfters von geschädigten Bauern abgeschossen, auch wenn dies illegal ist.
Staatlich geregelte und überwachte Schutzmaßnahmen in allen Gegenden des Verbreitungsgebietes der Kubaamazone sind dringend nötig, um die dortigen Bestände relativ stabil zu halten.

Haltung
In ihren Haltungsanforderungen unterscheidet sich die Kubaamazone nicht wesentlich von den anderen Gattungsangehörigen. Die Unterkunft sollte stets für ein Paar dieser Art ausgerichtet sein und ihnen ausreichenden Platz bieten können. Zu Vermehrungszwecken ist eine Haltung in einer kombinierten Innen-/Außenvoliere anzustreben. Die Außenvoliere sollte dieser bewegungsaktiven Amazonenart Möglichkeiten zum Flug bieten. Folglich sollten die Sitzstangen in diesem Bereich, wie auch in der Innenvoliere, in einem größtmöglichen Abstand zueinander angebracht werden. Auf diese Weise sind die Tiere schließlich auch zum Gebrauch ihrer Flügel gezwungen. Bewegliche Sitzgelegenheiten sollten ebenfalls bereitgestellt werden, dass können Seile und auch Schaukeln sein, die den Gleichgewichtssinn der Kubaamazonen schult. Weitere Beachtung sollte auch ein Kletterbaum im Außenbereich der Voliere finden, der möglichst bis an die Volierenoberbegrenzung reichen sollte. Diesen hohen Sitzplatz suchen sich die Amazonen zumeist vorzugsweise aus.
Da auch die Kubamazonen mitunter zu argen Holzzerstörern werden können ist die gesamte Bauweise der Unterkunft auf die Schnabelkraft dieser Tiere herzurichten. Metallrahmenkonstruktionen für die Außenvoliere und eine solide Bauweise für die Innenvoliere sollten zum Standard für die Unterkunft von Amazonenpapageien werden. Auf der Außenvoliere kann eine Beregnungsanlage installiert werden, die besonders an sehr warmen Tagen für eine Erfrischung der Vögel sorgen sollte. Flache Badegefäße werden nach meinen Erfahrungen nicht so gern von Amazonen angenommen. Der Bodenbelag in der Außenvoliere kann naturgemäß belassen werden oder auch sehr gut mit grobem Kies befüllt werden. Andere Möglichkeiten bieten die Betonierung dieser Fläche oder aber ein entsprechend handelsübliches Pflaster.
Die einzige Verbindung von der Außen- zur Innenvoliere und umgekehrt stellt das Flugloch dar. Diese Verbindung sollte aus verschiedenen Gefahrengründen während der Nachtzeit verschlossen und die Vögel im Schutzraum belassen werden.
Die Innenvoliere beinhaltet neben den notwendigen Sitzgelegenheiten, die Futter- und Trinkgefäße sowie die Nistgelegenheiten. Eine Wärmequelle sollte notfalls während der Winterzeit in Betrieb genommen werden können, obwohl die Kubaamazonen heutzutage nicht mehr so empfindlich auf unsere klimatischen Verhältnisse reagieren. Gleichfalls ist eine automatisch geregelte künstliche Lichtquelle unbedingt als Standard zu bezeichnen. Beide technischen Einrichtungen können eine Simulation der natürlichen Umwelteinflüsse unterstützen helfen.
Über die Größe der Unterkunft für ein Paar Kubamazonen wird es sehr unterschiedliche Ansichten unter den verschiedenen Haltern dieser Vögel geben. Zumeist wird sich die Größe nach dem vorhandenen Platzangebot richten müssen. Eine Unterschreitung der amtlich empfohlenen Richtlinien sollte jedoch keinesfalls unterschritten werden. Gleichfalls ist eine Unterbringung von einzelnen Kubaamazonen in Käfigen allein schon aufgrund der Seltenheit dieser Art strikt abzulehnen.

Ernährung
Über die Ernährung von Papageienvögeln auch nur annähernd genaue Angaben machen zu können bereitet stets große Schwierigkeiten, denn über die Ernährungsgewohnheiten dieser Tiere in ihrer eigentlichen Heimat ist oftmals relativ wenig bekannt. Nun sollte der verantwortungsvolle Halter dieser Vögel aber zumindest versuchen eine bedarfsgerechte Ernährung seiner Pfleglinge zu gewährleisten. Eine bedarfsgerechte Ernährung hat natürlich nur im weitesten Sinn etwas mit einer artgerechten Ernährung gemein, denn wie erwähnt kennen wir derzeit lediglich nur einen sehr geringen Teil von der Vielfalt der Ernährungsgrundlagen der jeweiligen Art in ihrem natürlichen Umfeld und außerdem werden wir aus logistischen Gründen stets Schwierigkeiten haben ihnen diese bekannt gewordenen Ernährungsgrundlagen zu bieten.
Die Kubaamazone benötigt für eine bedarfsgerechte Ernährung verschiedene Nahrungskomponente. Diese setzen sich hauptsächlich aus einem Samengemisch, Obst, Gemüse, Pflanzenteilen und einem Kraft- und Aufzuchtfutter zusammen.
Ein Samengemisch setzt sich Amazonen dieser Größe aus Sonnenblumenkernen, Hafer, Mais, verschiedenen Hirsesorten, Weizen, Hanf, Glanz und Perilla sowie aus allen anderen sonst noch für Papageienvögel verwendbaren Sämereien und auch verschiedenen Nüssen zusammen. Die Anwendung von Keimfutter, hergestellt aus diesen Samenmischungen, ist mitunter aufgrund der Krankheitskeime sehr umstritten. Verfügt man jedoch über ein sehr sauberes, also hygienisch einwandfreies Samengemisch, so kann ein solches Keimfutter unter bestimmten Voraussetzungen durchaus angeboten werden. Dieses Keimfutter kann dann vor und während der Fortpflanzungsperiode angeboten werden und dient so eventuell zu Stimulierung des Zuchtpaares.
Am wichtigsten erachte ich die Gabe von Obst und Gemüse in den vielfältigsten Variationen. Angebote ergeben sich aus dem eigenen Garten sowie dem Sortiment der Supermärkte und der gut sortierten Fachhändler. Man sollte den Kubaamazonen möglichst viele unterschiedliche Obst- und Gemüsearten anbieten und wird sicher schnell herausfinden welche Sorten von den Tieren bevorzugt werden.
Gleich verhält es sich mit den Pflanzen, die vorzugsweise in der freien Natur gesammelt werden. Halbreife Sämereien von Gräsern und Kräutern sind nach meinen Erfahrungen bei den Amazonen nicht so begehrt wie beispielsweise die saftigen Blätter der Vogelmiere oder des Löwenzahns. Gleichfalls sollten aber auch frische Zweige von Weiden und Obstbäumen zum Nagen bereitgestellt werden.
Des Weiteren sollte vor und während der Fortpflanzungsperiode ein zusätzliches Kraft- und Aufzuchtfutter bereitgestellt werden, dass von vielen Züchter heute noch als so genanntes Eifutter unter verschiedensten Rezepturen selbst hergestellt wird.
Wichtig sind zusätzliche Gaben von Mineralstoffen, die als Kalksteine und in Form von Sepiaschale bereitgestellt werden können. Bestenfalls sollte aber ein Mineralgemisch über das klein geschnittene Obst beziehungsweise Gemüse oder auch dem Keimfutter gestreut werden. Um den notwendigen Vitaminbedarf eines jeden Tieres zu decken sollte in regelmäßigen Abständen ein Multivitaminpräparat in das Trinkwasser gemischt werden. An diesen Tagen sollte dann möglichst kein Obst oder Gemüse gereicht werden, damit die Amazonen ihren Flüssigkeitsbedarf nicht aus diesen Nahrungskomponenten decken und somit gezwungen werden das Trinkwasser mit dem Vitaminpräparat aufzunehmen.

Vermehrung
Vor einigen Jahren noch galt die Vermehrung der Kubaamazonen als schwierig. Selten waren diese Papageien in den Beständen der Vogelliebhaber vertreten, genauso selten gelangen aus diesem Grunde sicherlich auch die Nachzuchten mit den Kubaamazonen. In der heutigen Zeit findet man erfreulicherweise recht häufig in den Annoncenteilen der inländischen Fachmagazine unter der Rubrik „Gebe ab:“ Hinweise auf erfolgte Nachzuchten dieser Amazonen. Auch die sinkenden Preise sind Hinweise auf die mittlerweile in Menschenobhut doch recht gut etablierte Kubaamazone. Da aber die Situation in der Heimat dieser Amazonenart nach wie vor sehr kritisch ist, sollte weiterhin auf eine zahlreiche Vermehrung dieser Vögel hingearbeitet werden. Nicht immer gelingt die Vermehrung der Kubaamazone einfach und meist wird der Halter dieser Tiere sehr lange auf den ersehnten Erfolg warten müssen, ja oftmals bleibt dieser Erfolg sogar gänzlich aus. Bei Problemen kann ein Partnertausch mitunter Abhilfe schaffen und die einzelnen Tiere stimulieren helfen. Genaue Studien des Verhaltens der im Besitz befindlichen Tiere und vielleicht sogar tierärztliche Untersuchungen zum Zustand der einzelnen Kubaamazonen können weitere Rückschlüsse auf bestehende Misserfolge klären helfen. Hat man aber ein miteinander harmonierendes und zudem zuchtreifes Paar gefunden, dann ist schon viel gewonnen.
Wie allen Amazonen muss auch den Kubaamazonen eine Nisthöhle bereitgestellt werden. Am besten eignen sich Naturstammnisthöhlen, da diese sehr gute klimatische Bedingungen im Innenraum aufweisen können; angenommen werden aber auch die vielmals üblichen Nistkästen der Marke Eigenbau. Als Bodenbelag kann eine Schicht feiner Hobelspäne eingestampft werden. Als Maße für eine solche Nistgelegenheit sollte eine Grundfläche von 30 x 30 cm und eine Höhe von 50 bis 60 cm besitzen.
Das gegenseitige Interesse der Paarpartner steigert sich dann im Frühjahr eines Kalenderjahres. Hauptsächlich das Weibchen hält sich in dieser Zeit vermehrt in der späteren Nisthöhle auf und nagt sich diese im Innern entsprechend zurecht. Die Tiere zeigen während dieser Periode eine gesteigerte Aggressivität gegenüber anderen Vögeln und oftmals sogar gegenüber dem Pfleger.
Geht alles gut kann Ende April oder auch Anfang Mai mit dem ersten Ei gerechnet werden. Das vollständige Gelege besteht schließlich aus 2 bis 4 Eiern, seltener mehr. Das Weibchen übernimmt amazonenüblich die alleinige Bebrütung des Geleges, das Männchen befindet sich dann meist in nicht zu großer Entfernung vom brütenden Weibchen. Die Brautdauer beträgt etwa 28 Tage und mit dem Ausfliegen des ersten Jungvogels kann nach weiteren 65 bis 70 Tagen gerechnet werden. Während der Brutzeit und den ersten Lebenstagen der Jungvögel verlässt das Weibchen nur selten am Tag die Bruthöhle. Meist geschieht dies nur ein- oder zweimal am Tag, um sich zu entleeren, eine kurze Strecke zu fliegen, wasser zu sich zu nehmen und sich vom Männchen füttern zu lassen beziehungsweise selbst Nahrung aufzunehmen.
Nach dem Ausfliegen vergehen noch etwa 3 weitere Wochen bevor die jungen Kubaamazonen als selbständig bezeichnet werden können. Es erfolgt nur eine Jahresbrut, eventuell wird nach einem verloren gegangenem Erstgelege ein zweites gezeitigt – ein Umstand, den sich einige Züchter als Gelegenheit für eine Kunstbrut mit anschließender Handaufzucht zunutze machen.

Jörg Asmus
Barlachweg 2
18273 Güstrow

Literatur:

-BECHSTEIN (1812), Naturgeschichte der Vögel, GothaBOSCH & WEDDE (1981), Amazonen, BomlitzDE GRAHL (1969-1974), Papageien unserer Erde Band 1 und 2, Braunschweig u. Hamburg
-DE GRAHL (1990), Papageien, StuttgartHOPPE (1987), Amazonen, Stuttgart- LANTERMANN (2000), Amazon Parrots, New York
- LANTERMANN (1991), Amazonen, München
- LANTERMANN, S. u. W. (1986), Die Papageien Mittel- und Südamerikas, Hannover
- LOW (1983), Das Papageienbuch, Stuttgart
- LOW (1984), Endangered Parrots, London
- PARADISE (1979), Amazon Parrots, Neptune City
- ROBILLER (1990), Papageien 3, Stuttgart
- RUß (1887), Die sprechenden Papageien, Magdeburg
- RUß & NEUNZIG (1914), Die Amazonen, Magdeburg
- SCHMIDT (1983), Die Amazonen, Minden
- STRUNDEN (1986), Die Namen der Papageien und Sittiche, Bomlitz
- TEITLER ((1981), Amazonaspapageien, Neptune City



Der Seidenstar